Sa

30

Jan

2010

Vampire Weekend - Contra

Am 6. Februar 2006 wurde Vampire Weekend in ihrer vollen Besetzung gebildet und erlangte durch allerlei Internetpräsenz dann auch schnell zu großer Bekanntheit. Mit einer positiven Konzertkritik in der New York Times konnten die vier New Yorker ihren Durchbruch feiern. Anfang 2008 veröffentlichten sie ihr erstes gleichnamiges Album, welches darauf hin auch einige Wochen in den Albumcharts war und sowohl finanziell als auch von den Meinungen der Kritiker her ein großer Erfolg war.

Ezra Koenig, Rostam Batmanglij, Christopher Tomson und Chris Baio bezeichnen ihren Musikstil als "Oxford Comma Riddim" oder auch "Upper West Side Soweto". Ihre Musik enthält viele afrikanische Rhytmen und viele tolle Instrumente, durch die ein besonderes, freundliches und familiäres Feeling hergestellt wird.

 

Das beginnt dann auch gleich mit dem Opener Horchata. Wie auch der Titel selber, übrigens ein spanisches Wort für Erfrischungsgetränke aus zerdrückten Nüssen und Früchten, gibt es in dem Song viele weitere Fremdwörter, deren Bedeutungen via Wikipedia und Google aber schnell herausgefunden werden können ;) Zudem enthält der Song, der auch die erste Single aus dem neuen Album darstellte, viele interessante Instrumente, von denen man einige wohl gar nicht kennt: Marimbas, Rebolo, Zabumba, Shekere und vieles mehr findet sich hier. Thematik ist dabei das Chaos im Winter und die anschließende Klarheit. Ein außergewöhnlicher Track!

 

White Sky überzeugt durch eine vielseitige Melodie mit viel Bass und ist dadurch gut zum Tanzen geeignet! Die Angst aller Leute vor dem Urlaub und davor, dass man etwas vergessen haben könnte etc. wird in Holiday  vertont. Es enthält einen schnellen Rhytmus, Ezra Koenig weiß seine Stimme gut einzusetzen, so wird hier auch sehr hoch gesungen. Dadurch kommt ein toller Charme auf und auch die Urlaubsstimmung fehlt nicht! Auch in California English geht es temporeich zu. Der Gesang wird hier zudem noch verzerrt, wodurch er verschwommen und hallend erscheint. Gitarre und Cello sind dazu gut eingesetzt worden.

 

Taxi Cub stellt den ersten ruhigen Song dar. Instrumental wurde er passend in Szene gesetzt, hier kommt es allerdings vorallem auf die tollen Lyrics an: Es wird von der Flucht aus the aisles of the grocery and the blocks uptown erzählt. Letztlich wird man von dieser Flucht und etwas Neuem aber immer wieder abgehalten. Auch in Run geht es um Flucht, diesmal die Flucht aus dem Leben. Teilweise kann man hier nur Gesang und passend im Takt dazu Drum und Gitarre mitverfolgen. Ein toller Ohrwurm! Cousins ist ein weiterer schneller und rhytmischer Song, zu dem man gut Tanzen kann.

 

Mit den letzten drei Songs versuchen sich Vampire Weekend in der Branche der langen Songs. So gehen ihre Lieder sonst nur um die drei Minuten, hier naht man sich aber der doppelten Länge. Teilweise geht der Versuch und vielleicht auch schon ein kleiner Blick voraus aufs nächste Album auf, manchmal finden sich dabei aber auch Längen.

 

In Giving Up The Gun findet sich von Cello und Gitarre bis hin zu Computerbeats alles auf. Dadurch, dass alles in der gleichen Tonlage und zwei verschiedenen Melodien gesungen wird, wird der Song schnell zum Ohrwurm. Auch nickt man hier mal schnell mit dem Kopf zum Takt mit! Die Lyrics behandeln hier das Thema Altwerden: When I was 17 / I had wrists like steel / And I felt complete / And now my body fades / Behind a brass charade / And I'm obsolete. Leider ist der Track mit seinen knapp fünf Minuten etwas zu lang! Diplomat's Son ist ein typischer Vampire Weekend-Song. Man hört viele Background-Vocals, einen tollen Refrain, eine starke Drumline, verschiedenste Melodien und immer wieder Keyboard-Solos, um die melodischen Unterschiede zu verbinden. Der letze Song, der sich endlich mit dem Albumtitel befasst, ist I Think Ur A Contra und ein weiteres Highlight des Albums. Es ist ein sehr ruhiger, dramatischer und fast schon trauriger Song. Es dreht sich um zwei Freunde, die sich aber auseinanderleben. You wanted good schools and friends with pools / You're not a Contra / You wanted Rock and Roll, complete control / Well, I don't know. Die Texte sind toll und auf den Punkt gebracht, passend dazu wirkt der Song teilweise durch den hohen Bass sehr gewaltig, andererseits aber auch unvollständig und verletzlich.

 

Insgesamt enthält Contra durchweg nur gute Songs. Die Laufzeit ist mit ungefähr 35 Minuten relativ kurz, dadurch aber zum Durchhören genau richtig. Die Songs sind teilweise einfach nur fröhlich und zum Tanzen und Mitsummen, teilweise temporeich, aber auch ruhig und gefühlsvoll. Durch diesen Mix aus Musikstilen und Songarten ist auf dem Album für jeden Geschmack etwas zufinden und das zweite Album der vier wird zu einem tollen Erlebnis. Mit den letzten drei Longplay-Songs kann man sich zudem schon auf das nächste Album freuen!


Anspieltipps Holiday|Horchata|I Think Ur A Contra (9/12)

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